Tierschutzverein des Landkreises Garmisch-Partenkirchen e.V. ~ Tel. 0 88 21 / 559 67 -> Notfallnummer 0160 / 951 342 00
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MONTAG und DIENSTAG GESCHLOSSEN
Gamskitz in Not
Am späten Nachmittag des Pfingstsonntags klingelte das Telefon. Otti berichtete, dass ein Verwandter mit dem Moutainbike im Kreuzeckgebiet unterwegs sei und ein Tier jämmerlich schreien gehört hat. Als er den Lauten nachging, entdeckt er eine Gams, die sich mit den Krucken in einem Forstzaun verfangen hatte und dort elend ums Leben kam. Daneben ein Kitz, das jämmerlich rief.
Wir baten Otti sofort auf den Berg zu fahren und das Kitz zu uns zu bringen.
Schnell musste Ziegenmilch organisiert werden. Hier halfen Tierfreunde aus Partenkirchen, die von der Familie Grasegger, die immer sofort Milch zur Verfügung stellt, Ziegenmilch abholten und ins Tierheim brachten.
Inzwischen war auch das Gamskitzlein eingetroffen. So klein, dass noch die Nabelschnur vorhanden war. Was muss dieses kleine Wesen schon mitgemacht haben, als es den Todeskampf seiner Mutter erleben musste?
Wir waren sehr erleichtert, als unsere Mitarbeiterin Eva das Kleine dazu brachte, aus der Flasche zu trinken. Ich habe es dann über Nacht mit nach Hause genommen, das Kitzlein brauchte alle drei Stunden die Flasche, der Bauch musste massiert werden und darauf geachtet werden, dass es Urin und Kot absetzte.
Am anderen Morgen war ich so gerädert, dass wir alle wußten, dass wir die Aufzucht nicht neben dem Tierheimalltag und der täglichen Arbeit durchstehen würden, zumal wir ja auch noch eine ganze Schar von Jungvögeln zur Aufzucht hatten.
Auch musste die rechtliche Seite geklärt werden. Ein (jagdbares) Wildtier einfach zu behalten erfüllt den Tatbestand der Jagdwilderei. Der zuständige Berufsjäger überliess uns aber völlige problemlos das weibliche Kitz, das inzwischen den Namen Rubi (Rupicapra rupicapra ist die lateinische Bezeichnung für die Gams) erhalten hatte.
Gott sei Dank haben wir ein gutes Netzwerk. Ich bat einen befreundeten Berufsjäger um Aufnahme und wir fuhren Rubi nach Hinterriss. Dort kam Rubi zu einer absolut tierlieben Familie mit netten Kindern und vielen Tieren.
Nun kümmerte sich Uschi um die kleine Rubi und zwar mit einer solchen Hingabe und absolutem Engagement, dass das Kitzlein wächst und gedeiht. Wir freuen uns jedes Mal über die Bilder, wenn wir sehen, wie hoch Rubi schon springen kann, wie sie sich mit Kater Fundus (auch aus unserem Tierheim) schon angefreundet hat und dass es es ihr gut geht. Das Gamskitz kann frühestens im nächsten Frühsommer in die Freiheit entlassen werden, da es ohne führende Geis nicht über den Winter kommt. Wir sind so dankbar, dass Rubi in liebevollen professionellen Händen ist.
Der Tot der Mutter zeigt wieder einmal, wie wichtig es ist, dass die vielen Zäune, die am Berg, in den Wäldern etc. vor sich hingammeln abgebaut und entsorgt werden (wie es gesetzlich auch vorgeschrieben ist), um vielen Wildtieren einen grausamen Tod zu ersparen.
Für uns war es auf jeden Fall eine wunderbare Erfahrung ein Gamskitz (und wir kämpfen ja seit vielen Jahren für unser Gamswild) so hautnah zu erleben. Vielleicht ein gutes Omen?

Tessy Lödermann