UNSERE BESUCHSZEITEN
Mittwoch - Sonntag: 14°° bis 17°°
UNSERE VERMITTLUNGSZEITEN
Mittwoch - Sonntag: 14°° bis 16°°
MONTAG und DIENSTAG GESCHLOSSEN
Kommen sich der Schutz der Biodiversität und der Klimaschutz in die Quere?
Forst vor Wald und Wald vor Wild…
Neue Bäume braucht das Land…

Unsere Welt brennt an allen Ecken und Enden und es ist nicht nur der Regenwald in Brasilien, wie Satellitenbilder der NASA belegen. Und es ist nicht nachvollziehbar, wie selbst Staatsoberhäupter den allgegenwärtig spürbaren Klimawandel geflissentlich zu ignorieren und schönzureden versuchen.
Auch in Bayerns Forsten ist er bereits deutlich zu spüren, Bäume verdorren, Baum-Krankheiten grassieren und der Borkenkäfer frisst sich durch die ertragreichen Fichtenmonokulturen. Um es kurz zu machen: Viele Bäume und Forstpflanzungen ertragen die heißer und trockener werdenden Sommer ebenso wenig, wie die Mais-, Raps- und Getreidekulturen der Bauern. Also wird es, nicht zuletzt den „Fridays for Future“-Kids geschuldet, auch für die Politiker Zeit, die langjährigen Warnungen der Klimaforscher und Ökologen anzuhören und ernst zu nehmen. So stehen Klimakabinette, Abkommen, wie jenes denkwürdige in Paris, G7-Gipfelthemen und vieles mehr auf den Agenden und es wird zweifelsfrei in Ministerien und bei Experten fleißig gearbeitet und selbst die Wirtschaft zieht mit und sinnt über Kerosin-Ersatzstoffe und Wasserstoff-basierte Energien nach.
Der Bayerische Ministerpräsident, Dr. Markus Söder stellt eine spannende – und in unseren Augen wunderbare - Idee in den Raum, die in vielerlei Hinsicht berauschend schön und einfach ist: Bäume pflanzen! Beeinflussen doch Bäume das Klima durchweg positiv und wenn man vor Ort selbst etwas tun könnte, warum sollte man dann nur mit dem Finger auf Entwicklungs- und Schwellenländer zeigen?!
Es ist lobenswert, dass die bayerische Staatsregierung, aber auch die Deutsche Bahn AG, hier in Eigeninitiative tätig werden möchte.

Allerdings löste der Vorschlag des Ministerpräsidenten auch die Diskussion darüber aus, welche Bäume gepflanzt werden sollen und auch Rotwild, Gams und Rehwild als „Baumschädlinge“ rückten vermehrt in den Focus mit der lapidaren Forderung „Abschuss rauf!“ Die im bayerischen Waldgesetz festgeschriebene Präambel „Wald vor Wild“ widerspricht eindeutig dem Artikel 20 a GG, der lautet: „….der Staat schützt die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere“. Wald und Wild sind hier verfassungsrechtlich gleichgestellt. Auch wird bereits diskutiert und erforscht, neue, fremde Baumarten, wie Zypressen aus dem Mittelmeerraum oder dem Nahen Osten anzupflanzen oder Douglasien, warum nicht Kork- und Steineichen? Zwar ist die Rede von gemischten Kulturen, einem künstlichen Mischwald sozusagen, also ein teils neophytischer Forst, kein Wald und am besten ohne Schalenwild.
Dabei wird aber vergessen, dass Wald per se gemischt ist, weit ähnlicher dem Englischen Garten in München, als dem, was man „im Wald“ so vorfindet und dass bis vor knapp 100 Jahren, z. T. noch heute in den Bergregionen, das Vieh den Wald beweidet hat, wie vor seiner Ausrottung Elch, Wisent und Ur das taten. Da war Wald eine baumbestandene, eher offene, mikroklimatisch wertvolle Landschaft. Da gab es Freiflächen, Randstrukturen, Lichtungen, Totholz, nicht soldateske, verfilzt dichte Nutzholzreihen. Früher gab es Wild, das zwar ab und an verbiss und fegte, also die Hörner und Geweihe am Baum wetzte, aber vor allem offen hielt, Sonne und Wärme hereinließ, Samen verbreitete und mit half, Biodiversität, für die wir uns in Bayern mit einem historischen Referendum ausgesprochen haben, zu stützen und zu fördern. Und das Wild fungierte als Verbreiter von Samen. Bevor Wald zum Forst, also zu Ertrag lieferndem, kalkuliertem, vom Menschen intensiv bewirtschaftetem Forst wurde, ertrug er neben dem Weidevieh der Bauern bis ins 17. Jahrhundert wilde Auerochsen und Wisente, Rehe, Hirsche und sogar deren Gegenspieler, Luchs und Wolf. Seit wir Monokulturen anpflanzen ist das Gleichgewicht aus den Fugen geraten und mit ihm all die kleinen und kleinsten Lebewesen, von der Ameise bis zu Wildblumen und Singvögeln.
Wild ist kein Schädling, der bekämpft werden muss. Wild ist ein wertvoller Teil des Ökosystems Wald. Viele Verbissschäden sind vom Menschen verursacht, durch hohen Freizeit- und Jagddruck. Wir haben das tagaktive Wild von den natürlichen, offenen Äsungsflächen in den Wald vertrieben, scheu und nachtaktiv gemacht.
„Wälder“, auch „Mischwälder“ aus Neophyten, wie Zeder und Co. sind Fremdkörper, die heimischen Insekten nicht als Nahrung und den unabdingbaren Pilzen womöglich nicht mehr als Symbiosepartner dienen können. Neophyten können die Böden verändern, wie die bereits angesiedelte Robinie, die Biodiversität im Sinne wild wachsender, rar gewordener Kräuter und Blumen – auch solcher aus der Roten Liste – unmöglich werden lassen. Mit diesen werden die letzten Eidechsen und Schlangen, Kröten, Frösche, Molche und Salamander mit den noch verbliebenen Singvögeln vollends verschwinden.
Hier sind heimische Pflanzen, Gehölze und die Offenheit natürlich gewachsenen Waldes unabdingbar – und Wild, das schon immer Teil dessen war, was wir Menschen als Wald bezeichnen.
Unterstützen wir alle die Staatsregierung beim Pflanzen von Bäume, bei Renaturierung und biologischen und ökologisch vertretbaren sinnvollen (Wieder-)Vermehrung dessen, was den Namen Wald verdient – und dazu gehört sinnvoll gemanagtes Wild, karge und offene Flächen und die heimische Flora.
Wir müssen sehr aufpassen, dass aus der Idee des neuen Waldes kein reiner Forst wird, bei dem nicht Klimaschutz, sondern Nutzbarkeit im Vordergrund steht und andere Lebewesen vergessen werden. Hier wird eine saubere Trennung notwendig werden, die im Wald Natürliches fördert und das nicht heimische auf die Forste reduziert.



Quelle: Pressemeldung vom 24.09.2019 - Deutscher Tierschutzbund e.V. / Landesverband Bayern