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Entzetzen über Rotwildmassaker im Tiroler Lechtal
Die höchstgelegene Gemeinde (1530 m) Kaisers (76 Einwohner) im Tiroler Lechtal in unserem Tiroler Nachbarbezirk Reutte kämpfte seit Wochen, mit ihrem Bürgermeister Norbert Lorenz an der Spitze, gegen die Keulung von Rotwild im "Tötungsgatter Holzrinner". Das 60 x 50 Meter große Gatter war errichtet worden um im Rahmen der TBC-Bekämpfung 20 Stück Rotwild zu töten. Hintergrund war auch, dass der Abschussplan nicht erfüllt war. Bürgermeister Lorenz, früher selbst Berufsjäger, hatte in einem dreiseitigen Schreiben an die zuständigen Behörden versucht die Tötungsanordnung zu verhindern und Alternativen angeboten. Der Einspruch Zudem wurden an der Zufahrtstraße nach Kaisers eindringliche Plakate angebracht. Alles half nichts. Am Sonntag, den 9. Februar 2020 gegen 21 Uhr hörten die Bewohner von Kaisers Schüsse und viele Gemeindebewohner machten sich auf den Weg zum Gatter.

Behörden sprechen von "schonender und tierschutzgerechter Entnahme"
Was sie dort sahen und was später an Bildern an die Öffentlichkeit gelangte, hatte mit dem, was die Tiroler Landesbehörde per Pressemitteilung mitteilte überhaupt nichts zu tun: "33 Stück Rotwild wurden im Rahmen der Tbc-Bekämpfung ...von erfahrenenn Schützen in kürzester Zeit schonend und tierschutzgerecht entnommen." Und der Landesveterinärdirektor Josef Kössler erklärte: "Natürlich sind 33 tote Tiere kein schöner Anblick. Aber die Aktion hat nur wenige Minuten gedauert und ist tierschutzgerecht abgelaufen".

Brutales Massaker am Rotwild
Die Wahrheit ist eine andere. Völlig fassungslos mussten die aufgebrachten Bürger und ihr Bürgermeister mit ansehen, wie 1 Schütze und 1 "Gehilfe" 45 (!) Minuten lang auf das eingekesselte, panische Wild einschossen und 33 Tiere zur Strecke brachten. Bürgermeister Lorenz: "Das war Chaos pur". Tiere seien in die Zäune gesprungen und haben Kieferbrüche und offene Verletzungen erlitten. Ein Kalb habe schwerverletzt noch gelebt, Tiere seien von den in Panik geratenen Tieren niedergetrampelt worden. "Es war ein Gemetzel", sagte Bürgermeister Lorenz. Viele Bürger haben Fotos und Videos gemacht die deutlich zeigen, dass hier keine "schonende und tierschutzgerechte Entnahme" stattfand, sondern die Tiere brutal zusammengeschossen wurden. Viele Bürger haben an den Zäunen lautstark ihr Entsetzen zum Ausdruck gebracht.

In Tirol wird es keine Gatterentnahme mehr geben
Nach dem Aufschrei in den Medien und der Empörung erklärte Landeshauptmannstellvertreteer Josef Geisler: "Eines ist für mich nach diesen Vorfällen klar: In Tirol werden wir Gatterabschüsse künftig verbieten. So etwas wird es in Tirol nicht geben." Auch die Tiroler Jägerschaft distanzierte sich vorbehaltslos von dieser Tötungsmaßnahme. "Derartige Massen-Keulungen haben mit weidgerechter Jagd und tierschutzrechtlichen Grundsätzen nichts zu tun; sie sind weder weidgerecht noch tierschonend. Der Tiroler Jägerverband distanziert sich klar und vorbehaltslos von solchen Maßnahmen." Strafanzeigen sind gestellt, das Landeskriminalamt hat Ermittlungen aufgenommen und eine Waffe wurde sichergestellt. Dies alles hält das Land Vorarlberg nicht davon ab, in Gebieten, in denen die Abschussquoten nicht erfüllt werden, sog. "Regulierungsgatter" zu planen.

Weitere Tatsachen
Tatsache ist auch, dass statt der 20 zunächst geforderten 5 Stück weibliches Wild und der 15 Kälber insgesamt 33 Tiere, darunter auch Hirsche (für die die Abschussquote bereits erfüllt war) erlegt wurden. Tatsache ist auch, dass die weiblichen Tiere trächtig waren. Und Tatsache ist auch, dass eine Ansteckungsgefahr für Rinder durch das Rotwild nur bei etwa 2 % liegt.

Persönliche Anmerkungen:
Ich hatte schon die Telefonnummer von Bürgermeister Lorenz bereit und wollte ihn am Montag anrufen, um ihm die Hilfe von unser bayerischen Tierschützern anzubieten. Die Transparente die wir 2013 anläßlich unseres Widerstandes gegen den Gatterabschuss (auch wegen Tbc) im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gestaltet hatten, habe ich noch aufgehoben. Am Montag Früh kam dann die Nachricht des Massakers. In über 40 Jahren Tierschutzarbeit habe ich schon vieles erlebt, aber die Vorgänge in Kaisers haben mich bis ins Mark erschüttert. Ich denke aber auch, dass die auch bei uns immer wieder aufflammende Diskussion, dass ein Teil des Abschussplanes für Rotwild "tierschutzgerecht" in Gattern erfüllt werden kann und sollte, damit für alle Zeiten erledigt ist. Meinen Hut ziehe ich vor Bürgermeister Lorenz und den Bewohnern von Kaisers. Diese kleine Gemeinde hat Zivielcourage und Herz gezeigt. Für uns Tierschützer ist dies auch Ansporn dafür, dass wir uns auch weiterhin ums Wild kümmern, Allianzen schmieden und die Bevölkerung dafür gewinnen, dass Wildtiere keine Schädlinge sind und ein achtungsvoller und fairer Umgang mit ihnen in einer humanistischen Gesellschaft hohe Priorität hat.

Tessy Lödermann, 1. Vorsitzende Tierschutzverein Garmisch-Partenkirchen, Vizepräsidentin Deutscher Tierschutzbund, Landesverband Bayern e.V.