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Beschwerde bei der EU-Kommission betreffend Gamswild Management in Bayern
Garmisch, den 12. August 2019

PRESSEMITTEILUNG

Beschwerde bei der EU-Kommission betreffend Gamswild Management in Bayern
Am 8. Juli 2019 hat der Deutsche Tierschutzbund, Landesverband Bayern e.V., zusammen mit den Tierschutzvereinen des Landkreises Garmisch-Partenkirchen e.V. und Tegernseer Tal e.V. Beschwerde bei der EU-Kommission gegen das bayerische Gamswildmanagement eingelegt.

© Fotos: Monika Baudrexl
Hintergrund ist, dass die Alpengams im Anhang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) aufgeführt ist und eine jagdliche Entnahme, bzw. Nutzung nur zulässig ist, soweit ein günstiger Erhaltungszustand dabei nicht gefährdet wird.
Die Prüfung der FFH-Arten erfolgt alle fünf Jahre und steht nun wieder auf der Agenda der EU-Kommission.

Der Beschwerde zugrunde liegt ein 50 Seiten starker Projektbericht, den die Wildbiologin und profunde Gamskennerin Dr. Christine Miller im Auftrag des Tierschutzbundes, Landesverband Bayern e.V. erarbeitet hat. Darin weist sie nach, dass das aktuelle Mangement des Gamswildes gegen das Verschlechterungsverbot der FFH-Richtlinie verstößt und dass der Freistaat Bayern verpflichtet wäre, verbessernde statt verschlechternde Maßnahmen zu ergreifen.

Die Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern eV. Tessy Lödermann, die sich seit vielen Jahren für einen verantwortungsbewußten Umgang mit den Wildtieren einsetzt, beklagt in ihrem Schreiben an die EU-Kommission den Umgang mit der Gams in Bayern. So seien die Gamsbestände in Bayern zurückgegangen Abschusszahlen würden ohne Kenntnis der tatsächlich lebenden Populationen, deren Zugang und natürlichen Abgangs festgelegt, Alters- und Sozialstrukturen würden zerstört und ständig Schonzeiten aufgehoben. Ein Großteil des bayerischen Gamslebensraumes liege in den sogenannten Sanierungsgebieten oder -flächen mit dauerhaft hohem Jagddruck. Der Gams werden keine ganzjährigen, geeigneten und ausreichenden Rückzugsräume zugestanden.

Tessy Lödermann: „Bayern hat eine besondere Verantwortung für das Charakterwild unserer Berge, die Gams. Die Hegeschauen ergeben ein Besorgnis erregendes Bild über die Altersstrukturen beim Gamswild. Es wird viel zu viel in die Jugend- und Mittelklasse eingegriffen und alte, erfahrene Gams werden immer weniger.“

Als Reaktion auf die Beschwerde bei der EU-Kommission wertet Lödermann die Pressemitteilung von Landwirtschaftsministerin Kaniber. „Es ist eindeutig ein Schnellschuss, wenn man mit einem Forschungsprojekt, das erst 2022 abgeschlossen wird, jetzt mal schnell an die Öffentlichkeit geht. Wenn in einem riesigen Gamskerngebiet wie zwischen Vorderriss und Soiern über 500 Gämsen gezählt worden sein sollen und es dabei keinerlei Aussagen über das Alters- und Geschlechterverhältnis und die Sozialstruktur gibt, dann ist das gerade beim Gamswild fachlich und methodisch ohne Aussagekraft.“


PDF`s zum Download:
Deutscher Tierschutzbund an EU
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Beschwerde betreffend Gamswild Management
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