Unser Wild braucht unseren Schutz
Toten Gamsbock an Wanderweg "zur Schau gestellt"
Der 28. Februar 2021 war ein wunderschöner Sonntag. Blauer Himmel, weiße Berge, also genauso wie unser Bayern weiß und blau. Es zog wieder zahlreiche Wanderer in die Berge, Auswärtige und Einheimische. Auch der Steig am Griesberg bei Griesen, der gut markiert u.a. zur Ziegspitze führt war am Sonntag Vormittag gut frequentiert. Und dann klingelte bei mir wieder mehrmals das Telefon. An der Griesberghütte, an der der Weg direkt vorbeiführt, war auf einem Pfosten ein toter, ausgeweideter Gamsbock regelrecht trapiert und an der Hüttenwand lehnte ein Gewehr.
Für einige Naturfreunde, "war der Tag gelaufen" und sie machten aus ihrer Empörung keinen Hehl. Hätten sie doch zu gerne einmal eine lebende Gams durchs Fernglas gesehen oder vor die Linse ihrer Kamera gebracht. Dies wäre ein echtes Bergerlebnis gewesen. Statt dessen wurden sie hautnah mit dem toten Tier konfrontiert, das auf einem Baumpfosten in der Sonne direkt am Weg "aufgebahrt" war.
Ich habe dann recherchiert: Am Griesberg ist Schutzwaldsanierungsgebiet. Dort darf auch jetzt Gamswild geschossen werden, allerdings weibliches nur bis zum Alter von zwei Jahren. Ich habe einige Fachleute gefragt, die das erlegte Tier als Gamsbock klassifizierten. Einen jungen Bock mit guten Anlagen, der sicherlich dazu beigetragen hätte, dass es auch wieder die wichtigen alten Böcke in unseren Bergen gibt, wenn man ihn am Leben gelassen hätte. In den Sanierungsflächen und -gebieten dürfen eigentlich nur Mitarbeiter des Forstbetriebes oder erfahrene, mit dem Gebiet und dem Wild vertraute Personen "jagern". Ein Einheimischer teilte mir mit, dass da "zwei Osteuropäer" auf der Jagd waren.
Ich frage mich schon, was die Erleger damit bezwecken wollten, den Gamsbock derart öffentlich "zur Schau zu stellen". Und warum wurde er nicht hinter die Hütte in den Schatten gelegt und umgehend in die Kühlkammer gebracht (Fleischhygiene...). Die Hüttentür stand zwar offen, aber es war niemand zu sehen. Was wäre gewesen, wenn sich ein schneller Wanderer die unbeaufsichtigt an der Hüttenwand lehnende Jagdwaffe angeeignet hätte?
Dieser Gamsbock hat den schnee- und entbehrungsreichen Winter hinter sich gebracht um dann, als er Äsung auf der Sonnenseite zu suchen um wieder zu Kräften zu kommen, abgeschossen zu werden. Über diesen Vorfall kann ich einmal mehr nur noch den Kopf schütteln.

Tessy Lödermann